Kurz gesagt: Eine regenerative Wirtschaft richtet ihre Regeln an der Gesundheit der Natur und an einem guten Leben für alle Menschen aus. Sie arbeitet mit den Kreisläufen von Wasser, Nährstoffen und CO₂, stärkt die Gemeinschaften ihrer Region und belohnt jene, die zur Gesundheit von Mensch und Natur beitragen.
Dieser Beitrag ist ein übersetzter und ergänzter Auszug aus meinem Skriptum für die Nachhaltigkeitsvorlesung an der Fachhochschule Kufstein. Was „regenerativ“ überhaupt bedeutet und wie es sich von „nachhaltig“ unterscheidet, erkläre ich im Leitartikel Was bedeutet regenerativ?
Welches Ziel verfolgt eine regenerative Wirtschaft?
Eine regenerative Wirtschaft verschreibt sich einem gesunden bioregionalen System und dem Zusammenspiel von Mensch und Natur darin. Eine Bioregion ist ein Gebiet, das von seinen natürlichen Gegebenheiten geprägt ist: von Flusstälern, Böden, Klima und den Menschen, die dort leben.
Die wirtschaftlichen Regeln richten sich an der Gesundheit der Natur aus, die uns umgibt, und an einem guten Leben für uns alle. Was wäre, wenn die Spielregeln jene gewinnen ließen, die am meisten zur Gesundheit und zum Wohlbefinden von Mensch und Natur beitragen? Wie sähe ein Wirtschaftssystem dann aus?
Ökologisch regenerativ: im Fluss natürlicher Kreisläufe
Ökologisch regenerativ ist ein Prozess dann, wenn er im Einklang mit den natürlichen Kreisläufen von Nährstoffen, Wasser und CO₂ arbeitet und so zur Gesundheit eines Ökosystems beiträgt. Die Geschäftsprozesse einer regenerativen Wirtschaft bewegen sich also innerhalb der Flüsse natürlicher Systeme, im Englischen „Flows“ genannt.
Wie weit dieser Rahmen reicht, zeigen die planetaren Grenzen. Sie beschreiben neun Belastungsgrenzen der Erde, innerhalb derer wir Menschen sicher leben und wirtschaften können.
Sozial regenerativ: Gemeinschaft stärken
Im sozialen Kontext handelt ein regeneratives Unternehmen mit dem Ziel, das Wohlergehen eines breiten Kreises zu verbessern. Neben Kundschaft und Kapitalgebenden profitieren auch benachteiligte Gruppen und die Gemeinschaft, in der das Unternehmen tätig ist.
Ein Beispiel: Ein interkulturelles Food-Festival, das Menschen aus einem Stadtviertel gemeinsam organisieren, stärkt den Zusammenhalt weit mehr als ein klassisches Konzert auf einer Festspielbühne. Alle bringen etwas mit, alle lernen einander kennen, und das Viertel wächst zusammen.
Die Wirtschaft als Teil von Gesellschaft und Natur
In der Fachliteratur gilt die Wirtschaft als Teil der Gesellschaft und die Gesellschaft wiederum als Teil der Natur. Man spricht von einem sozial-ökologischen System. John Fullerton, früher Managing Director bei JP Morgan und heute Gründer des Capital Institute, teilt diese Sicht und beschreibt regeneratives Wirtschaften so:
„Wirtschaftliche Stärke ist ein Produkt menschlicher und gesellschaftlicher Vitalität, die auf ökologischer Gesundheit und der integrativen Entwicklung menschlicher Fähigkeiten und Potenziale beruht.“
John Fullerton, 2015, S. 40 (eigene Übersetzung)
Jenseits von links und rechts: ein neues Ziel für die Wirtschaft
Regenerative Ökonomie steht jenseits der alten Frage Smith oder Marx, links oder rechts. Sie bringt einen Paradigmenwechsel im Wirtschaftsverständnis und gibt der Wirtschaft ein neues Ziel. Fullerton beschreibt sie als
„[…] eine wirksame Integration des Besten von rechts und links, kombiniert mit einem modernen wissenschaftlichen Verständnis darüber, wie das Universum tatsächlich funktioniert, das wir übrigens im Zeitalter von Adam Smith oder Karl Marx noch nicht hatten!“
John Fullerton, 2015, S. 39 (eigene Übersetzung)
Aus dem linken Denken nimmt die regenerative Ökonomie die Bedeutung von Gerechtigkeit mit und die Einsicht, dass hohe und wachsende Ungleichheit auf Dauer nicht trägt. Aus dem rechten Denken nimmt sie die Dynamik eines freien Unternehmertums mit, das die Kreativität und Tatkraft einzelner Menschen nutzt.
Wir dürfen also einen Schritt zurücktreten und fragen: Worüber wird politisch gerade kaum debattiert, und was greifen die Medien selten auf? Welche Leitsterne treiben die Wirtschaft heute an, und welche könnten es morgen sein?
Prinzipien einer regenerativen Wirtschaft
Eine regenerative Wirtschaft fördert ein gesundes bioregionales System. Sie denkt die Natur und das Wohlbefinden der Menschen in der Region zusammen und sichert das langfristige Wohlergehen der Gemeinschaften. Daraus ergeben sich sechs Prinzipien:
Regeln mit Richtung: Das Geld- und Bankensystem und die Steuergesetzgebung sorgen dafür, dass sozial und ökologisch schädliche Praktiken keinen Raum finden oder wirksam ausgeglichen werden.
Das rechte Maß: Übermäßige Ansammlungen von Geld, Macht und Besitz haben ebenso wenig Platz wie das Streben nach immer mehr Produktion und Konsum.
Fürsorge als Fundament: Pflege und Fürsorge, von der Altenpflege und Mutterschaft bis zur Renaturierung von Landschaften, sind im Geld- und Finanzsystem strukturell verankert und abgesichert.
Kreisläufe schließen: Die Kreislaufwirtschaft steht im Zentrum. Materialien bleiben im Umlauf und kehren nach ihrer Nutzung in biologische oder technische Kreisläufe zurück.
Gemeinschaften versorgen sich: Gemeinschaften, die Wohlstand und Versorgung schaffen, etwa solidarische Landwirtschaften, spielen eine tragende Rolle.
Grundversorgung aus der Region: Lebensmittel, Energie und andere Güter des täglichen Bedarfs kommen stärker aus der eigenen Region.
Die acht Prinzipien des regenerativen Kapitalismus nach John Fullerton
Die folgenden Prinzipien habe ich von John Fullerton übernommen. Er hat sie 2015 in „Regenerative Capitalism“ aus der Beobachtung lebender Systeme abgeleitet:
In rechter Beziehung: Wir Menschen sind Teil des Netzes des Lebens, und alles hängt miteinander zusammen.
Wohlstand ganzheitlich sehen: Wohlstand misst sich am Wohlergehen des Ganzen.
Innovativ, anpassungsfähig, reaktionsfähig: Lebendige Systeme lernen und passen sich an veränderte Bedingungen an.
Ermächtigte Teilhabe: Alle Teile eines Systems tragen zur Gesundheit des Ganzen bei und haben eine Stimme.
Gemeinschaft und Ort wertschätzen: Jede Region hat ihre eigene Geschichte, Kultur und Ökologie.
Fülle an den Rändern: An den Übergängen zwischen Systemen entsteht besonders viel Neues.
Robuster Kreislauf: Geld, Wissen und Ressourcen zirkulieren durch das ganze System.
Balance suchen: Effizienz und Widerstandskraft, Zusammenarbeit und Wettbewerb halten einander die Waage.
Wie Unternehmen innerhalb der planetaren Grenzen Produkte entwickeln, die Umwelt und soziale Strukturen zugleich stärken, zeigt der Beitrag Nachhaltige Produktentwicklung neu denken.
Eine regenerative Wirtschaft entsteht aus vielen Entscheidungen in Unternehmen, Vereinen und Gemeinden. Wer sie mitgestaltet, braucht einen Blick für Wechselwirkungen, Rückkopplungen und Hebelpunkte. Genau diesen Blick schult systemisches Denken. Wie das geht und warum es zu besseren Entscheidungen führt, erfährst du auf unserer Seite Systemisches Denken: bessere Entscheidungen in komplexen Zeiten.
Häufige Fragen zur regenerativen Wirtschaft
Was ist eine regenerative Wirtschaft?
Eine regenerative Wirtschaft richtet ihre Regeln an der Gesundheit der Natur und am Wohlergehen aller Menschen aus. Sie arbeitet mit natürlichen Kreisläufen, stärkt Gemeinschaften in ihrer Region und verankert Fürsorge im Finanzsystem.
Was ist der Unterschied zwischen nachhaltiger und regenerativer Wirtschaft?
Nachhaltiges Wirtschaften verringert Schäden und schont Ressourcen. Regeneratives Wirtschaften stärkt zusätzlich die Systeme, von denen es lebt: Böden, Ökosysteme und Gemeinschaften. Mehr dazu im Leitartikel Was bedeutet regenerativ?
Ist eine regenerative Wirtschaft links oder rechts?
Sie verbindet beides. Vom linken Denken übernimmt sie den Fokus auf Gerechtigkeit, vom rechten die Dynamik freien Unternehmertums. Ihr Maßstab ist die Gesundheit von Mensch und Natur.
Woher kommt der Begriff regenerativer Kapitalismus?
Geprägt hat ihn vor allem John Fullerton mit seinem Bericht „Regenerative Capitalism“ (2015). Darin leitet er acht Prinzipien aus der Beobachtung lebender Systeme ab.
Gestalte regeneratives Wirtschaften in deiner Organisation
Mit Regeneration Pioneers begleite ich Führungskräfte in Vereinen und Sozialunternehmen dabei, die Muster in ihrer Organisation zu erkennen und die Hebel zu finden, mit denen Zeit, Geld und Engagement mehr bewirken. Lass uns in einem Erstgespräch herausfinden, wo bei euch der erste Hebel liegt.
Quelle: Fullerton, J. (2015): Regenerative Capitalism. How Universal Principles and Patterns Will Shape Our New Economy. Greenwich, CT: Capital Institute.
Komplexe Systeme bestehen aus vielen Teilen, die aufeinander reagieren und dabei zwar Muster zeigen, aber nicht berechenbar sind. Was in der Theorie fürchterlich schwierig klingt, lässt sich anhand von zwei Beispielen aber leicht verstehen:
Als ich zum ersten Mal in eine fremde Stadt gezogen bin, war ich für ein paar Wochen komplett verloren. Ich bin falsch abgebogen, habe den Bus in die verkehrte Richtung genommen, bin zu spät gekommen. Und dann, irgendwann, hatte ich die Stadt im Kopf. Ich brauchte die Karte nicht mehr.
Als ich zum ersten Mal einen Garten angelegt habe, war ich auch verloren. Nur ging das nicht vorbei.
Ich habe alles richtig gemacht — gelesen, geplant, die Pflanzen gepflegt. Manches ist gewachsen, manches nicht. Im zweiten Jahr habe ich dasselbe gemacht und andere Ergebnisse bekommen. Es gab keine Karte, die ich mir hätte merken können. Nach vielen Jahren jedoch erkenne ich Muster, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass es gelingt.
Der Unterschied zwischen diesen beiden Erfahrungen hat einen Namen. Und wer ihn versteht, trifft in seinem Arbeitsfeld deutlich bessere Entscheidungen.
Kompliziert heißt: schwierig, aber lernbar
Ein kompliziertes Problem ist eines, das viele Teile hat, aber verlässlichen Regeln folgt. Es ist schwer — aber es ist erlernbar, nachbaubar und modellierbar.
Eine Stadt ist kompliziert. Ein Uhrwerk ist kompliziert. Eine Steuererklärung ist kompliziert. Bei allen dreien gilt: Es gibt Fachleute, die es können. Es gibt einen richtigen Weg – einen Plan. Und wenn du dasselbe zweimal machst, passiert zweimal dasselbe.
Der entscheidende Punkt: Bei komplizierten Problemen funktioniert Planung. Du kannst vorher wissen, was hinten herauskommt. Deshalb fliegen Flugzeuge zuverlässig und deshalb kommt Zug da an, wo er ankommen soll – meistens 🙂
Komplex heißt: lebendig — und nicht vorhersagbar
Ein komplexes System besteht aus Teilen, die aufeinander reagieren. Dadurch entsteht Verhalten, das sich nicht aus den Teilen ableiten lässt. Ein Garten. Ein Team. Eine Stadtgesellschaft. Ein Klimasystem.
Hier greift Planung nur begrenzt. Nicht, weil du zu wenig weißt — sondern weil das System sich verändert, während du es beobachtest. Dieselbe Maßnahme kann zweimal völlig unterschiedlich wirken.
Die folgenden vier Eigenschaften helfen dir komplexe Systeme besser zu verstehen:
1. Sie lassen sich abgrenzen
Jedes System hat eine Grenze. Manchmal ist sie physisch — eine Insel, ein Körper, ein Gebäude. Manchmal ist sie gedacht: Mein Permakulturgarten ist ein System, weil ich entscheide, dass er eines ist. Er ist auch Teil eines größeren komplexen Ökosystems auf meinem Berg. Wo ich die Grenze stecke, hängt auch mit der Funktion, Zweck zusammen die ich betrachten möchte, wenn ich das System definiere.
2. Sie haben einen Zweck oder eine Funktion
Jedes System tut etwas. Der Garten ernährt Menschen und hält ein Stück Natur gesund. Ein Acker in industrieller Bewirtschaftung erzeugt Geld. Beides sind Systeme, beide haben Pflanzen und Boden — aber sie sind auf Unterschiedliches ausgerichtet, und deshalb verhalten sie sich unterschiedlich.
Donella Meadows hat darauf bestanden, dass der Zweck eines Systems nicht das ist, was in seinem Leitbild steht, sondern das, was es tatsächlich hervorbringt. Ein unbequemer, sehr nützlicher Satz.
3. Ihre Teile hängen voneinander ab
Interdependenz bedeutet: Wie es einem Teil geht, hängt davon ab, wie es den anderen geht. Der Zustand des Bodens beeinflusst den der Pflanze. Der der Pflanze wiederum beeinflusst den der Insekten und dies wiederum wirken zurück auf den Boden.
In Organisationen ist es genauso, nur weniger sichtbar. Jede Aktivität einer Abteilung wirkt auf die ganze Organisation. Wie die Menschen in den anderen Abteilungen darauf reagieren ist, nicht mechanistisch vorgeschrieben, sondern hängt davon ab, wer darauf reagiert und in welchem Gesamtzustand die Person an diesem Tag ist. Diese Reaktion wiederum trägt weitere Wellen in wiederum andere Abteilungen.
4. Sie bringen Eigenschaften hervor, die kein Teil besitzt
Das ist die wichtigste Eigenschaft — und die, über die am wenigsten gesprochen wird. Deshalb wollen wir hier noch mal tiefer hineinschauen.
Emergenz: Wenn das Ganze etwas kann, das keiner seiner Teile kann
Emergente Eigenschaften sind Eigenschaften eines Systems, die keines seiner einzelnen Teile besitzt. Sie entstehen aus dem Zusammenspiel — nicht aus den Bestandteilen.
In meinem Garten ist die Biodiversität so eine Eigenschaft. Keine einzelne Pflanze ist die Vielfalt. Und ich kann sie nicht herstellen — ich kann nur Bedingungen schaffen: Strukturen, Wasser, Ruhe, Zeit. Dasselbe gilt für die Atmosphäre eines Gartens, dieses Gefühl, gerne dort zu sein. Es sitzt in keinem einzelnen Beet oder Baum.
Zwei weitere Beispiele machen es greifbar.
Gemeinsam Musik machen. Vier Menschen singen oder trommeln zusammen. Jede Stimme für sich ist eine Stimme. Und dann entsteht irgendwann etwas dazwischen: ein Klang eine Stimmung, die dich trägt und bewegt. Du kannst keine Person herausnehmen und sie hat die Stimmung gemacht. Genauso kann eine Person alleine nicht dieses Ergebnis planen und umsetzen. Man kann nur die Bedingungen schaffen: aufeinander hören, gemeinsames Tempo, genug Übung, Vertrauen.
Die Atmosphäre in einer Gruppe. Du betrittst einen Raum, in dem zehn Menschen arbeiten, und weißt nach zwanzig Sekunden, ob hier Vertrauen herrscht oder Vorsicht. Bevor jemand ein Wort gesagt hat. Vertrauen ist nirgendwo gespeichert — nicht in der Führungskraft, nicht im Leitbild, nicht in einzelnen Personen. Es entsteht aus tausenden kleinen Interaktionen. Und es ist trotzdem vollkommen real: Es entscheidet darüber, ob jemand einen Fehler meldet oder verschweigt.
Die Testfrage
Wenn du wissen willst, ob eine Eigenschaft emergent ist, stell diese Frage:
„Zeig mir das Teil, in dem diese Eigenschaft steckt.“
Zeig mir die Biodiversität. Zeig mir den Klang. Zeig mir das Vertrauen. Wenn du nicht zeigen kannst — dann ist es emergent. Dann hast du es mit einem komplexen System zu tun.
Und ja, Emergenz kann auch wehtun
Es wäre unehrlich, Emergenz nur als etwas Schönes zu beschreiben. Auch eine Angstkultur emergiert. Niemand hat sie beschlossen, niemand wollte sie, jede einzelne Person würde sie ablehnen — und trotzdem ist sie da.
Was das für deine Entscheidungen bedeutet
Wenn du ein komplexes Problem wie ein kompliziertes behandelst, passiert immer dasselbe: Du planst sorgfältig, setzt um, und das Ergebnis weicht ab. Dann planst du sorgfältiger. Das Ergebnis weicht wieder ab. Irgendwann regt sich Zweifel an den Fähigkeiten im Team und es werden Schuldige gesucht.
Doch der Fehler lag darin, ein komplexes Problem mit Strategien für ein kompliziertes Problem lösen zu wollen.
Es gibt drei Perspektivenwechsel, die uns beim Arbeiten an komplexen Problemen helfen:
vom Kontrollieren zum Beeinflussen
Wer Systeme versteht, hört auf zu fragen: Wie bekomme ich das unter Kontrolle? — und beginnt zu fragen: Welche Bedingungen schaffe ich, damit das Richtige wachsen kann? Das fühlt sich vielleicht im ersten Moment nach aufgeben an, führt aber in Systemen, mit komplexer Dynamik eher zu einem guten Ergebnis.
Konstruieren zum Kultivieren
In Komplexen Systeme beginnen wir Rahmen zu kultivieren, die das gewünschte Ergebnis liefern sollen. Wir fragen nicht: Wie sieht der Prozess im Detail aus? sondern Welche Ausrichtung und welche Rahmen braucht es um die Ziele zu erreichen?
Vorhersagen zumRichtung geben
Wir lassen die Idee los das Ergebnis genau zu bestimmen also zu sagen: Mein Garten muss dieses Jahr 80 kg. Kartoffeln, 5 Kübel Äpfel und 200 Karotten produzieren und stellen statt dessen die Qualität in den Vordergrund mit Ziele wie: Mein Garten liefert unterschiedliches Obst und Gemüse, mit dem wir unsere Vorräte für den Winter gut auffüllen können.
Du willst systemisches Denken nicht nur verstehen, sondern anwenden?
Gute Entscheidungen in einer komplexen Welt
Auf der Themenseite findest du das kostenlose Arbeitsblatt, das dich in 30 bis 40 Minuten durch vier Schritte führt — für ein konkretes Thema, das dich gerade beschäftigt.
Kriege, Umweltzerstörung, Migration, das Gefühl, dass sich vieles gleichzeitig zuspitzt: Wer aufmerksam durch die Welt geht, kennt das Ziehen im Bauch. Sorge. Trauer. Wut. Manchmal auch Ohnmacht. Die Frage ist nicht, ob diese Gefühle da sind – sondern was wir mit ihnen machen.
In der ersten Folge unseres Podcasts sprechen wir genau darüber mit Barbara Hundshammer, Tanztherapeutin und Expertin für Ökopsychologie und mentale Resilienz. Sie begleitet Menschen dabei, einen neuen Umgang mit den tiefen Gefühlen zu finden, die angesichts der multiplen Krisen unserer Zeit entstehen.
Warum verdrängte Gefühle uns handlungsunfähig machen
Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die Arbeit von Joanna Macy und ihr Konzept „Work That Reconnects“. Macys Grundgedanke: Schmerz um die Welt ist keine Störung, sondern Ausdruck von Verbundenheit. Wer diesen Schmerz unterdrückt, verliert nicht nur Lebendigkeit – sondern auch den Zugang zu der Energie, die für echten Wandel gebraucht wird.
Barbara Hundshammer zeigt im Gespräch, wie aus Sorge und Schmerz neue Verbundenheit, innere Stärke und die Motivation für regeneratives Handeln entstehen können. Es geht um emotionale Widerstandskraft, um unsere Beziehung zur lebendigen Welt – und um die Erkenntnis, dass Veränderung nicht nur im Außen beginnt, sondern auch im Innen.
Worum es in der Folge geht
Warum ökologische Trauer ein gesundes Zeichen ist – kein Defekt
Was Ökopsychologie über unseren Umgang mit Krisen verrät
Wie aus Ohnmacht wieder Handlungsfähigkeit wird
Was „Work That Reconnects“ konkret für den Alltag bedeutet
Zwei Impulse zum Mitmachen
Zuhören allein reicht nicht – deshalb gibt es zwei Praxisimpulse, die direkt an das Gespräch anknüpfen:
Die Episode „Wie gehen wir mit dem Leid der Welt um? – Barbara Hundshammer“ ist ab Montag überall verfügbar, wo es Podcasts gibt, und dauerhaft auf unserer Podcast-Seite.
Regeneration Pioneers versteht sich als Wurzelwerk für alle, die Wandel gestalten wollen – mit systemischem Denken und innerer Stärke gleichermaßen. Neue Folgen erscheinen monatlich.
Neulich bin ich über einen TED-Talk gestolpert, der mich nicht mehr losgelassen hat. Kristina Kallas, Estlands Bildungsministerin, stellt darin eine Frage, die eigentlich jede:n von uns betrifft, nicht nur Eltern oder Lehrer:innen:
Wenn KI schon (fast) alles weiß – worauf bereiten wir uns dann eigentlich noch vor?
Kallas greift dafür auf ein Modell zurück, das viele von uns noch aus der Schule kennen: Bloom’s Taxonomie der Lernziele. Sie unterscheidet zwischen sogenannten Lower-Order Thinking Skills – Erinnern, Verstehen, Anwenden – und Higher-Order Thinking Skills – Analysieren, Bewerten, Erschaffen.
Und genau hier liegt der Punkt: KI ist in den unteren Ebenen mittlerweile brillant. Sie erinnert sich an alles, versteht Zusammenhänge, wendet Wissen an – und sie kann inzwischen sogar ziemlich gut analysieren. Was bleibt, sind die obersten beiden Stufen: Bewerten und Erschaffen. Einordnen, was wirklich zählt. Entscheiden, welchen Weg wir gehen. Neue Lösungen entwickeln, die es so noch nicht gab.
Warum das genau jetzt wichtig wird
Diese höheren Denkfähigkeiten brauchen mehr Energie und Konzentration. Also ist es wichtig, dass wir uns daran gewöhnen, uns sie regelmäßig trainieren. Sonst verkümmern sie – wie ein Muskel, der nicht bewegt wird. Und ohne eigene Analyse, Bewertung und Kreativität werden wir den Entwicklungen, die auf uns zukommen, nicht gewachsen sein. Wir werden nicht in der Lage sein, gute Entscheidungen zu treffen – weder im Umgang mit KI, noch mit den komplexen Fragen, vor denen wir als Gesellschaft stehen.
Denn parallel dazu wird unsere Welt nicht einfacher, sondern komplexer. Klimakrise, Migration, geopolitische Spannungen, wirtschaftlicher Wandel – all das hängt zusammen, beeinflusst sich gegenseitig, verzögert und verstärkt sich. Um darin gute Entscheidungen treffen zu können, reicht es nicht, Informationen zu haben. Wir brauchen ein tieferes Verständnis davon, wie sich Veränderung in komplexen Systemen vollzieht – und genau das ist der Kern von systemischem Denken.
Systemisches Denken ist für mich daher eine entscheidende Higher-Order-Thinking Fähigkeit: Beides bedeutet, nicht bei der ersten Erklärung stehenzubleiben, sondern Muster zu erkennen, verschiedene Perspektiven gegeneinander abzuwägen und daraus tragfähige, eigene Schlüsse zu ziehen. Genau diese Fähigkeiten weiterzuentwickeln, ist ein Kernanliegen von Regeneration Pioneers.
Eine kleine Übung für deine Systemdenker-Brille
Die gute Nachricht: Systemisches Denken lässt sich trainieren – oft schon mit ganz einfachen Mitteln. Hier eine Übung, die du in 15 Minuten machen kannst:
Die Reise eines Alltagsgegenstands
Nimm einen Gegenstand aus deinem Alltag zur Hand – einen Bleistift, eine Tasse, dein Handyladekabel. Egal wie unscheinbar.
Schritt 1: Schreib auf, aus welchen Bestandteilen dieser Gegenstand besteht (Holz, Graphit, Metall, Lack, Verpackung …).
Schritt 2: Wähl einen dieser Bestandteile aus und verfolge ihn zurück bis zu seinem Ursprung. Woher kommt zum Beispiel das Holz des Bleistifts?
Schritt 3: Liste jede Person auf, die mit diesem Bestandteil in Berührung gekommen ist, bevor er bei dir gelandet ist – so vollständig du kannst: die Verkäuferin im Laden, der Fahrer, der die Lieferung gebracht hat, der Lagerlogistiker im Großhandel, die Person, die den Container beladen hat, die Schiffsbesatzung, die Werksarbeiter:innen, die Sägewerker, die Forstarbeiterin, die den Baum gefällt hat …
Schritt 4: Halt kurz inne und schau dir die Liste an. Wie viele Menschen, Länder und Systeme (Logistik, Handel, Natur, Arbeit) waren nötig, damit dieser eine unscheinbare Gegenstand bei dir landen konnte?
Diese Übung zeigt eindrücklich, wie viele unsichtbare Verbindungen hinter den einfachsten Dingen stecken – und schärft genau die Fähigkeit, die wir brauchen, um auch größere, abstraktere Systeme zu durchschauen: Zusammenhänge sehen, wo auf den ersten Blick keine sind.
Dranbleiben lohnt sich
Probier die Übung diese Woche einmal aus – und schreib mir, welcher Gegenstand es war und wie lang deine Liste am Ende geworden ist. Mich interessiert wirklich, was dabei zusammenkommt.
Naja, eigentlich war es schon vor einer Woche, da ich diesen Artikel dazu dann doch noch ausführlich recherchieren wollte.
Es begann mit einem Video von Rutger Bregman auf LinkedIn. Er machte mich auf etwas aufmerksam, wovon ich schon länger am Rande Notiz genommen hatte — aber im Tumult zwischen Arbeit und Familie keinen Platz bisher hatte: Greg Brockman, Mitgründer und Präsident von OpenAI — dem Unternehmen hinter ChatGPT — spendete gemeinsam mit seiner Frau 25 Millionen Dollar an „MAGA Inc.“, das Trump nahesteht. Die größte Einzelspende des gesamten Wahlzyklus. Und nicht nur das: Seit Jänner 2026 nutzt die US-Einwanderungsbehörde ICE OpenAIs GPT-4, um Bewerber für ihre Einstellungswelle zu screenen — jene Behörde, die für Trumps Massenabschiebungen von und Gewalt an Migrant:innen zuständig ist.
Das war der Moment, in dem ich mich dazu aufgerafft habe, mich aktiv nicht nur mit der Nutzung, sondern auch der Auswirkung von KI auseinanderzusetzen.
Die nachhaltigste KI? Vielleicht gar keine?
Alex de Vries (2023), Joule, Vol. 7, Issue 10, https://doi.org/10.1016/j.joule.2023.09.004
Als Erstes habe ich mal geklärt, was ich schon wusste: Ich weiß schon länger, dass KI zu den ressourcenhungrigsten Technologien unserer Zeit gehört und der Betrieb von Rechenzentren oft in Ländern mit ohnehin schon kritischer Infrastruktur stattfindet. Nur das KI im vergleich zu anderen Online-Diensten massiv mehr Energie verbraucht. Während eine Suchanfrage ohne KI 0.8 Wh verbraucht, hat ein Prompt-verlauf bei Gemini im Schnitt 7.5 Wh. Und dazu kommt dann noch der Wasserverbrauch zur Kühlung der Server – In Gegenden in denen Wasser ohnehin schon knapp ist, kann es dann schon mal zu einem Kompromiss zwischen Rechenzentrum und Bevölkerung kommen.
Mit Blick darauf, dass unsere Energie begrenzt ist wäre die ehrlichste Antwort auf die Frage „Welche KI soll ich für eine nachhaltige Nutzung wählen?“ also: keine.
Aber genau wie jemand, der mit Kindern auf einem Berg ohne öffentliche Verkehrsmittel lebt, theoretisch kein Auto nutzen sollte ist es praktisch oft nur mit massiven Abschlägen der Lebensqualität umsetzbar. Beim Aufbau meiner Webseite, meiner Programme, beim Texten, beim Strukturieren komplexer Inhalte würde mir ohne KI so viel Zeit fehlen, dass es sich anfühlt, als würde ich ein Angebot mit der Schreibmaschine tippen.
Also gut. Wenn ich sie schon nutze — dann wenigstes die Alternative mit dem wenigsten Nebenwirkungen.
Der systemische Blick: Was jede KI-Anfrage wirklich auslöst
Als jemand, der systemisches Denken nicht nur predigt, sondern auch praktiziert, kann ich hier nicht aufhören.
Jede einzelne KI-Anfrage wirkt auf verschiedenste andere Bereiche unserer Gesellschaften:
1. Energie & Wasser. Jede Anfrage verbraucht Strom und Wasser zur Kühlung des Servers. Das beeinflusst lokale Wasserkreisläufe, nicht nur abstrakt, sondern ganz konkret für Menschen vor Ort.
2. Geld & politische Macht. Jedes Abonnement lässt Geld in die Kasse eines Betreibers fließen — das nicht nur in Produktentwicklung fließt, sondern auch in Lobbying, politische Netzwerke und Spenden.
3. Daten & Überwachung. Jede Anfrage gibt der KI — und damit vermutlich auch US-amerikanischen Geheimdiensten — etwas mehr über dich und die Welt preis. Bei allen amerikanischen Anbieter gilt ein Gesetz: der sogenannte CLOUD Act, der es US-Behörden, erlaubt auf Daten US-amerikanischer Unternehmen zuzugreifen, egal auf welchem Server sie gespeichert sind.
4. Wirkung auf die Psyche des einzelnen und damit auf das gesellschaftliche Zusammenleben. Denn jede Interaktion mit der KI verändert uns. Speziell, wenn KI dafür programmiert wird Beziehungen zu Menschen aufzubauen.
5. Änderung der Wirtschaft insbesondere den Arbeitsmarkt und die Verteilung der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung. Schon jetzt zeigt sich, das es in KI-nahen Einsteigerjobs einen Rückgang von 16 % (zur Studie) der Einstellungen gibt. Die zuvor über den Arbeitsmarkt breit verteilte Wertschöpfung fließt als immer mehr in Richtung einiger weniger Konzerne, anstatt einem großen Stab an Mitarbeitern, was zu Armut und Kaufkraftveränderung führen wird.
Diese und vermutlich noch viele andere Ebenen löst man nicht auf, indem man die Augen schließt. Wer nicht fragt, wessen Infrastruktur er nutzt, wessen Werte in die Modelle eingeflossen sind und wohin seine Abodollars fließen — der ist Teil des Systems, das er eigentlich verändern möchte.
Und trotzdem: Sich aus digitaler Sichtbarkeit zurückzuziehen, löst das Problem auch nicht. Die gesellschaftlichen Effekte werden sich dennoch zeigen. Außerdem gilt: wenn sich bewusste, reflektierte Menschen aus dem Online-Raum zurückziehen, überlassen sie das Feld jenen, die ohne Reflexion voll drauf losgehen.
Auf der Suche nach einem verantwortungsvollen Umgang mit der KI könnten wir ganz viel Fragen stellen.
Es gibt Fragen, die wir uns als Gesellschaft stellen können wie etwa:
Haben wir eine soziale Strategie, die die Verschiebungen am Arbeitsmarkt federt?
Wollen wir das unser Kinder zur einer KI eine emotionale Beziehung aufbauen? Wenn nein, wie engagieren wir uns dafür, dass so etwas nicht im Namen des Profit entwickelt wird?
Wie können wir Forschung und Entwicklung so finanzieren, dass gemeinwohlorientierte Organisationen eine Chance haben?
Diese Aspekten sollten wir als Gesellschaft dringend Aufmerksamkeit widmen. Denn die privatwirtschaftliche Weiterentwicklung der KI schreitet voran: ob wir uns jetzt für ethische und fair gesetztliche Rahmen einsetzen oder nicht.
Welche KI nutze ich nun am besten?
Für mich stellte sich aber immer noch die Frage: welche KI nutze ich am besten? Abgeleitet von Prinzipien von regenerativen Organisationen, waren folgende Fragestellungen interessant für mich im nächsten Schritt:
Welche politischen Verstrickungen hat der Konzern hinter der Software und welche Gelder fließen an wen?
Wie sicher ist die KI?
Wie werden meine Daten dort behandelt? Wer hat Zugriff auf mein Profil?
Gehen wir diesen Fragen auf den Grund:
Gibt es eine politisch unabhängige KI?
Meine erste Recherche zu den großen Anbietern war ernüchternd:
Hinter jedem großen KI-Anbieter (ChatGPT, Claude, Gemini) stecken die großen Tech-Konzerne aus dem Silicon Valley — alle betreiben massives Lobbying oder sind politisch verstrickt. Die einen stehen den Demokraten nah, die anderen den Republikanern. Mistral macht es auf Europäisch: in Brüssel und Paris.
Es fließen Gelder als Unterstützung an politische Parteien. Wenn ein Anbieter wie Anthropic (Claude) einen Regierungsauftrag ablehnt, weil man dafür Nutzerdaten für Massenüberwachung hätte freigeben müssen und zustimmen, dass die KI autonom in Waffensystemen agiert (also ohne letzt Kontrolle eines Menschen), zeigt das, was in dem Bereich bereits als normal wahrgenommen wird.
Also habe ich noch weiter gesucht und zwei kleinere Anbieter identifiziert:
Lumo von der Firma Proton. Die Firma Proton mit Sitz in der Schweiz ist in der Hand einer gemeinnützigen Stiftung und hat sich auf Online-Dienstleistungen mit sicherer Privatsphäre spezialisiert.
Confer von den Gründern von Signal: Signal ist ein Messenger-Dienst, der auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und Datenschutz setzt. Dieser wird daher u.a. von Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen oft verwendet wird in dem ein hohes Maß an Datenschutz sicher gestellt werden soll.
Der große Unterschied: Profitlogik vs. Gemeinwohl
Wenn wir die Sicherheits- und Ethikstandards der großen Player (OpenAI, Google, Anthropic) mit den neuen, gemeinwohlorientierten Alternativen vergleichen, wird der systemische Unterschied deutlich. Bei den Silicon-Valley-Giganten ist „Sicherheit“ oft ein Marketinginstrument, um regulatorische Hürden zu nehmen, während das Geschäftsmodell auf Datenausbeutung und Wachstumsdruck basiert.
OpenAI (ChatGPT) und Google (Gemini) operieren als gewinnorientierte Unternehmen (bzw. sind in einen solchen umgewandelt worden). Ihre Forschung, die sicherstellt, dass die KI menschliche Werte teilt, steht oft im Konflikt mit dem Druck, Nutzerbindung zu maximieren und neue Märkte zu erschließen. Die politische Verstrickung – von Spenden an beide Lager bis hin zu Aufträgen für staatliche Überwachung – zeigt, dass ihre „Neutralität“ eine Illusion ist.
Anthropic (Claude) wird zwar oft als ethischer gefühlt, da sie explizit „Constitutional AI“ propagieren und Regierungsdatenzugriffe ablehnen, doch auch hier fließt Kapital von Tech-Milliardären (wie Jeff Bezos), was langfristige Interessenkonflikte nicht ausschließt.
Der Paradigmenwechsel bei Proton (Lumo) und Signal (Confer): Haben keine Ausrichtung an Profitmaximierung.
Proton ist durch die Proton Foundation strukturell gegen Übernahme und Profitgier immunisiert. Die KI (Lumo) ist kein Mittel, um deine Daten zu verkaufen, sondern ein Werkzeug, das im Dienst deiner Privatsphäre steht. Es gibt keine Notwendigkeit, durch „Clickbaiting“ oder manipulative Gesprächsführung deine Aufmerksamkeit zu verkaufen.
Signal (mit ihrem KI-Tool Confer) baut auf demselben Fundament: Open Source, keine Werbung, keine Datensammlung.
Durch die Gemeinwohlorientierung und den hohen Wert der Privatsphäre beider Organisationen hier schon strukturelle weniger Anreize sich auf undurchsichtige Deals mit politischen Machthabern oder finanzielle Arrangements einzulassen. Proton hat im Gegenteil auf sich aufmerksam gemacht, als es gegen die App-Store Politik von Apple Anklage erhoben hat, weil diese Zensur ermöglicht.
In dieser ersten Analyse ergeben sich schon mal zwei verschiedene Lager. Die großen Player mit tiefen politischen Verstrickungen und die beiden „kleineren“ Anbieter bei denen politische Unverfangenheit Teil ihrer Mission ist.
Dass eine Firma keine politischen Verstrickungen hat, heißt aber noch nicht, dass meine Daten dort unter meiner Datenhoheit stehen. „Aber ich habe doch nichts zu verstecken“ denkst du jetzt vielleicht. Mag sein, aber Daten sind inzwischen so wichtig geworden, dass Experten wie Bernard Lietaer einen Sinneswandel hier als einen von drei zentralen Paradigmenwechseln hin zu einer nachhaltigen Zukunft sehen.
Lietaers Argument: Ohne Datenhoheit reproduzieren wir im digitalen Raum dieselben Machtstrukturen, die wir im Geld- uns Wirtschaftssystem kritisieren. Zentrale Plattformen werden zu den neuen „Banken“ – sie kontrollieren, bewerten und monetarisieren unsere digitalen Spuren.
Das bedeutet für KI: Eine wirklich gemeinwohlorientierte KI muss nicht nur politisch unabhängig sein, sondern auch datenhoheitlichsouverän.
Also wenden wir uns der nächsten Frage zu:
Wie werden meine Daten bein den KI Anbietern behandelt?
Datenhoheit: Wer besitzt dein digitales Ich?
Die Frage nach dem Datenschutz ist bei KI nicht nur technisch, sondern existenziell. Jede Eingabe in einen Chatbot ist ein Stück deiner Intelligenz, deiner Kreativität und oft auch deiner Verletzlichkeit.
Das Modell der Großen: Bei den etablierten US-Anbietern ist deine Eingabe oft der Rohstoff für das nächste Modell-Update. Auch wenn sie „anonymisieren“, bleibt das Risiko bestehen, dass sensible Muster extrahiert werden. Der US CLOUD Act erlaubt es Behörden, auf Daten zuzugreifen, die auf US-Servern liegen – egal wo du sitzt. Deine Daten sind also potenziell Teil eines geopolitischen Machtspiels.
Zudem trainieren diese Modelle mit deinen Eingaben, um ihre Produkte für alle anderen zu verbessern. Was erst mal gut klingt, kann auch nach hinten los gehen. Werden viele patriachale Informationen hochgeladen, wird auch das nächste Update insgesamt patriachischer sein. Damit können sich bedenkliche Tendenzen verstärken.
Darüber hinaus öffnet die Datenfreigabe an die Firmen auch der potentiellen Manipulierbarkeit Tür und Tor. Microtargeting – also das gezielte ausspielen von punktuellen Informationen basierend auf dem was eine Softwareanbieter über dich weiß, schränkt auch immer die Blickweite ein, die wir haben. Zwar schätzt eine neuere Studie vom MIT das Potential niedriger ein als gedacht. Diese Studie war allerdings auf politische Werbung ausgelegt und nicht die komplexere Dynamik von KI-Chats. Systemische Blickweisen brauchen dringen verschiedene Perspektiven auf ein Thema und nicht das alghorhytmische verstärken von Informationen aus der eigenen Blase.
Das Modell von Lumo & Signal: Auch hier gibt es eine klar andere Richtung:
Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: bei der selbst der Anbieter deine Chats nicht lesen kann. Proton und Confer sind Pioniere der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Das bedeutet: Deine Eingaben werden verschlüsselt übertragen und verarbeitet. Selbst die Betreiber können nicht in deine Chats sehen. Es gibt keine Hintertür für Werbetreibende oder Geheimdienste.
Kein Training mit Nutzerdaten: Bei Lumo und Signal (Confer) werden deine persönlichen Gespräche nicht genutzt, um das Modell für andere zu trainieren. Deine Intelligenz bleibt deine.
Juristischer Schutz: Bei Proton gilt: Als Schweizer mit strengen Datenschutzrichtlinien unterliegen sie anderen Rechtsrahmen als die Silicon-Valley-Konzerne. Sie sind strukturell darauf ausgelegt, Widerstand gegen Datenabfluss zu leisten, statt ihn zu fördern. Confer ist technisch stark, aber der US-Sitz ist ein juristischer Nachteil gegenüber der Schweiz.
Das ist der Kern der digitalen Souveränität: Nicht nur zu wissen, was die KI sagt, sondern zu wissen, wer es hört und wem es gehört. Wenn wir als Changemaker die Welt regenerieren wollen, müssen wir auch die Souveränität über unsere digitalen Daten erlangen.
Diese beiden Aspekte: politische Unabhängigkeit und Datenhoheit bei uns Nutzern stellen ein wichtiges Fundament für eine regenerative KI dar. Wie bei jeder Technologie gilt es nun auch sicherzustellen, ob die Technik sicher ist: Sicher für jeden einzelnen Nutzer und sicher im Rahmen der gesellschaftlichen Veränderungen die daraus entstehen.
Wie Sicher ist die KI?
Was bedeutet es eigentlich, wenn eine KI Sicher ist? Welche Werte sollen mit eingebaut werden, damit es eine gemeinwohlorientierte Technologie bleibt?
Der letzten Frage wäre ein eigener
Führende KI-Sicherheitsexperten setzen hier u.a. folgende Maßstäbe an:
Eingebaute Prinzipien, die die KI von Anleitungen zu Selbstverletzung oder der Erstellung von Deepfakes und pornografischen Inhalten abhält.
Skripten, die die KI davon abhalten humanisiert zu wirken. Wenn ChatBots zu schmeichlerisch agieren, oder haben gar das erklärte Ziel menschliche Bezugspersonen zu ersetzen, ergeben sich daraus massive psychologische und gesellschaftliche Folgen (Besprochen wir das u.a. in der Tiefen in dem englischsprachigen Dialog zwischen Nate Hagens und Tristan Harris). Außerdem täuschen sie oft schmeichlerisch Fachexpertise vor uns lassen unbedachte Benutzer mit unqualifizierten Feedback Wege und Richtungen verfolgen von denen ein Experte abgeraten hätte.
Ob die Firmen aktiv Forschung und Maßnahmen ergreifen, um kollektive unerwünschte Nebeneffekte zu begegnen. Nebeneffekte umfassen beispielsweise Massenarbeitslosigkeit, daraus resultierenden Einkommensverluste oder emotionales Primärbindung von Kindern an Bots und die daraus resultierende Entfremdung und Zerstörung menschlicher Beziehungen.
Ob eine KI Antworte auf Frage so präsentiert, dass der menschliche Gesprächspartner ausgewogene Meinungsvielfalt bekommt oder gewisse Ideologien bevorzugt dargestellt werden..
Dass KI keine Clickbaiting machen sollte: also uns nicht zu mehr als notwendiger Nutzung manipulieren sollten in dem sie immer mit „Soll ich dir das auch noch …. Möchtest du noch eine grafische Darstellung des Zusammenhaltes?“ endet.
Praxistipp für dich
Prompt für KI-Hygiene
Du möchtest, dass die KI bei dir Tricks wie Clickbaits weglässt und ausgewogen recherchiert? Man kann bei den meisten Chatbots in den persönlichen Einstellungen ein Prompt mit allgemeinen Impulsen hinterlegen. Hol dir jetzt deine kostenlose Vorlage.
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Beim Future of Life Institute haben sich Experten eine Methodik entwickelt, die die größten KI-Anbieter nach einem ausgeklügelten Sicherheitsindex bewertet, der die oben angegebenen Anforderungen teilweise abdeckt und um weitere Aspekte vertieft. Claude von Anthropic scheidet dabei im Verglich am besten ab. Gleichzeitig ist es aber mit einem C+ immer noch weit weg davon sicher zu sein.
Der systemische Unterschied: Sicherheit als Zweck oder Mittel?
Bei den großen Playern ist Sicherheit oft nur Compliance. Ein System entwickelt sich immer in Richtung seines Zwecks. Betrachtet man die öffentlichen Aussagen der Geschäftsführer und Inhaber der großen Anbieter, stellt sich die Frage, ob ihnen Sicherheit und die langfristige Wirkung auf die Menschheit wirklich am Herzen liegen – oder ob sie nur Mittel zum Zweck des Wachstums sind.
Sam Altman, CEO von OpenAI, relativierte kürzlich die Debatte um den Energieverbrauch von KI mit einem Hinweis auf den menschlichen Aufwand:
„Die Leute reden darüber, wie viel Energie es braucht, um ein KI-Modell zu trainieren – aber es braucht auch viel Energie, um einen Menschen zu trainieren. Es dauert etwa 20 Jahre Leben – und all das Essen, das du in dieser Zeit konsumierst –, bevor du klug wirst.“
Noch beunruhigender ist die Haltung von Peter Thiel, Mitgründer von Palantir – einer der zentralen Datensammelstellen, die Daten aus verschiedenen KI-Anbietern, Social Media und anderen Quellen aggregiert. In einem Interview schaffte er es 17 Sekunden lang nicht, auf die einfache Frage „Sollte die Menschheit überleben?“ mit einem klaren „Ja“ zu antworten.
Ob irgendwelche Testwerte mit einem „C+“ dann wirklich einen Pfifferling wert sind, bin ich mir nicht mehr so sicher. Eine KI, deren Gründer nicht klar zum Gemeinwohl und zum Überleben der Menschheit Stellung nehmen können, fehlt wohl auch der nötige Anreiz, ihr Produkt so zu gestalten, dass es für die Benutzer und die breite Bevölkerung wirklich sicher ist.
Der Paradigmenwechsel bei Lumo und Confer
Lumo und Confer tauchen in den großen Sicherheits-Reports nicht auf. Eine Validierung durch Dritte fehlt aktuell. Das liegt nicht nur daran, dass diese kleineren Anbieter nicht so sehr im Visier von NGOs und Forschern sind wie die großen Tech-Konzerne. Sie haben auch weniger Anreiz, sich testen zu lassen – denn ihr Geschäftsmodell basiert nicht auf Datenverkauf. Die Gemeinwohlorientierung in ihren Statuten (Proton Foundation, Signal Foundation) schafft einen strukturellen Schutz, der bei gewinnorientierten Unternehmen oft fehlt.
Auch Confer setzt auf diesen Ansatz: Das System verfügt über konfigurierbare Filter für Hassrede, Selbstverletzung und illegale Inhalte sowie automatische Prüfungen auf falsche oder erfundene Antworten. Die Besonderheit: Diese Moderation findet innerhalb der verschlüsselten Umgebung statt. Das bedeutet, die KI kann schädliche Inhalte blockieren, ohne dass der Betreiber jemals den Klartext deiner Konversation sieht.
Warum das für meine Entscheidung zählt?
Wenn wir die Diskussion über KI-Sicherheit, Datenhoheit und die ethischen Grundlagen der Entwickler bis zum Ende durchdenken, stoßen wir auf eine fundamentale Frage: Wollen wir eine Technologie, die den Menschen erweitert und stärkt – oder eine, die ihn ersetzt, manipuliert oder gar als bloßen Datenpunkt in einem größeren Algorithmus betrachtet?
Die Gefahr eines unkontrollierten Transhumanismus, bei dem die Grenzen zwischen Mensch und Maschine verwischen, ohne dass wir die Kontrolle über unsere eigene Identität behalten, ist real. Sie entsteht dort, wo Profitlogik und technologischer Fortschritt ohne ethischen Kompass voranschreiten.
Genau hier wird meine Entscheidung für Lumo nicht nur zu einer technischen Präferenz, sondern zu einer Haltung. Ich suche keine KI, die mich „verbessern“ will, indem sie meine Daten auswertet und mein Verhalten steuert. Ich suche ein Werkzeug, das mir hilft, meine menschliche Intelligenz zu entfalten – ohne dabei meine Souveränität, meine Privatsphäre und mein Recht auf ein unvoreingenommenes Denken zu opfern.
Nach all der Recherche und den offenen Fragen bleibt für mich nur eine logische Konsequenz:
Mein Fazit: ich versuche es mit Lumo
Nach dem ich Lumo für ein paar Tage ausprobiert hatte, habe ich folgende drei Schritte gesetzt:
Mein Abo bei ChatGPT gekündigt und das App von meinem Handy gelöscht. Online behalte ich mir meinen Zugang um auf ein paar für ChatGPT programmierte Bots weiter zugriff zu haben.
Die Grafikfunktion auf ChatGPT haben ich ohnehin nicht viel genutzt und als ich ein paar Mal probiert haben ein PDF zu generieren, war es nicht zu gebrauchen. Alles andere funktioniert auf Lumo ganz gut. Zu dem hat Lumo den Sitz in Europa und damit für mich gegenüber Signal doch einen entscheidenden Vorteil: Damit habe ich für mich aktuell den stimmigsten Kompromiss gefunden:
Immer noch nicht nachhaltig. Immer noch nicht regenerativ. Aber der Ort, an dem ich aktuell den wenigsten Schaden anrichte — bei vollem Bewusstsein darüber.
Welchen Schritt setzt du, jetzt wo du besser informiert bist?
Nützliches und LInks:
Das volle Interview (in Englisch) zwischen Nate Hagens und Tristan Harris auf The Great Simplification.
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Viele Sozialunternehmer:innen und Changemaker erleben heute eine stille Krise: Sie arbeiten mit Leidenschaft für eine bessere Welt – und stoßen dabei zunehmend an ihre eigenen Grenzen. Zwischen idealistischem Anspruch, wirtschaftlichem Druck und globaler Komplexität wächst oft eine Erschöpfung, die sich nicht einfach durch „mehr Disziplin“ lösen lässt.
Das Bedürfnis nach mentaler Resilienz ist groß. Doch was bedeutet sie wirklich – und reicht das klassische Verständnis überhaupt aus, um uns langfristig zu stärken?
1. Warum Changemaker besonders gefährdet sind
Menschen, die Wandel gestalten, tragen meist eine doppelte Last: die Verantwortung für ihr Projekt – und das Mitfühlen mit den Krisen der Welt. Viele Sozialunternehmer:innen stehen in einem Spannungsfeld zwischen Wirksamkeit und Selbstaufgabe.
Ihr Engagement speist sich aus tiefer Sinnorientierung – doch genau dieser Sinn kann sich gegen sie wenden, wenn er zum permanenten Antreiber wird. Statt Erfüllung entsteht Druck. Statt Lebendigkeit: Erschöpfung.
Das ist kein persönliches Versagen, sondern ein systemisches Muster. Wer in einer extraktiven Kultur wirkt, wird leicht selbst Teil ihrer Erschöpfungslogik. Hier setzt der Gedanke der regenerativen mentalen Resilienz an: Es geht nicht mehr darum, einfach „durchzuhalten“, sondern darum, sich mit den lebendigen Prinzipien des Lebens rückzuverbinden.
2. Das alte Paradigma von Resilienz – und warum es nicht mehr trägt
Lange Zeit galt Resilienz als Fähigkeit, „trotz allem weiterzumachen“. Doch diese Form von mentaler Stärke ist oft eine Verlängerung desselben Denkens, das uns auslaugt: Kontrolle, Leistung, Widerstand.
Aktuelle Forschung zeigt, dass diese Vorstellung zu kurz greift. Das Stockholm Resilience Centre beschreibt in einem jüngst erschienenen Artikel (“Is regenerative the new sustainable?”, 2025) einen fundamentalen Paradigmenwechsel: Nachhaltigkeit war lange auf das Bewahren und Stabilisieren ausgerichtet – Regeneration hingegen geht darüber hinaus. Sie schafft die Bedingungen, unter denen Systeme, Menschen und Organisationen gedeihen können.
Übertragen auf den Menschen bedeutet das: Mentale Resilienz ist nicht die Fähigkeit, unter Druck zu funktionieren, sondern sich fortlaufend zu erneuern – wie ein Ökosystem, das sich nach einer Trockenzeit regeneriert.
3. Regenerative mentale Resilienz – vom Aushalten zum Mitschwingen
Regenerative mentale Resilienz versteht den Menschen als Teil lebendiger Systeme. Sie fragt nicht: Wie kann ich länger durchhalten?, sondern: Wie kann ich mich wieder so mit mir, anderen und der Natur verbinden, dass Energie fließt?
Drei Prinzipien stehen im Zentrum:
Verbindung statt Kontrolle Mentale Stärke wächst nicht aus Isolation, sondern aus Beziehung – zu sich selbst, zu anderen, zur Natur. Wer sich als Teil eines größeren lebendigen Ganzen erfährt, kann sich selbst leichter regulieren.
Rhythmen statt Routinen Lebendige Systeme regenerieren sich in Zyklen, nicht in linearen Abläufen. Changemaker dürfen sich erlauben, Pausen als Teil der Produktivität zu sehen. Wie in der Natur folgt auch innere Stärke einem Wechselspiel von Aktivität und Ruhe.
Ganzheit statt Fragmentierung Körper, Geist und Emotionen bilden eine Einheit. Resilienz bedeutet, dieses Zusammenspiel wieder zu spüren – nicht nur kognitiv zu „verstehen“.
Diese Haltung verschiebt den Fokus: von Leistung zu Lebendigkeit, von Optimierung zu Regeneration, von Ego-System zu Eco-System.
4. Drei Wege, wie Sozialunternehmer:innen ihre Resilienz stärken können
1. Natürliche Rhythmen wiederfinden Beobachte deinen eigenen Energiezyklus. Wann bist du kreativ, wann brauchst du Rückzug? Gestalte deine Woche nach diesen Rhythmen – nicht nach externen Erwartungen. So entsteht ein inneres Gleichgewicht, das langfristig trägt.
2. Sinnquellen bewusst pflegen Sinn ist kein abstraktes Konzept, sondern eine Ressource. Pflege die Momente, in denen du spürst, warum du tust, was du tust. Das kann im Gespräch mit deinem Team sein, in der Natur oder im Feedback eines Menschen, dessen Leben du berührt hast.
3. Regeneration als Führungsprinzip leben Giles Hutchins und Laura Storm beschreiben in ihrem Ansatz des Regenerative Leadership, dass echte Führung nicht auf Kontrolle, sondern auf Lebendigkeit beruht. Sie entsteht aus Verbundenheit, Präsenz und Vertrauen in evolutionäre Prozesse. Für Changemaker bedeutet das: Mentale Resilienz ist keine individuelle Technik, sondern Teil einer Kultur, die sich an den Mustern der Natur orientiert. Wenn Teams lernen, Spannungen als Wachstumsimpulse zu begreifen und sich selbst immer wieder zu erneuern, wird Resilienz zu einem kollektiven Organismus – nicht zu einer Einzelanstrengung.
5. Fazit: Regeneration als innere Haltung
Mentale Resilienz ist keine Technik, sondern eine Haltung gegenüber dem Leben. Sie entsteht, wenn wir begreifen, dass Erneuerung nicht von außen kommt, sondern in jedem lebendigen System angelegt ist – auch in uns.
Für Changemaker bedeutet das: Unsere größte Verantwortung liegt nicht darin, uns unendlich zu verausgaben, sondern darin, die Bedingungen zu schaffen, unter denen wir selbst gedeihen. Nur so kann unser Engagement langfristig wirksam bleiben.
Regeneration beginnt in uns – und wirkt von dort in die Welt.
Vielleicht arbeitest du an einem regenerativen Lebensmittelsystem, an einem neuen Geldsystem oder an einem anderen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel. Deine Vision ist groß – und das ist gut so.
Doch die Realität zeigt: Viele Initiativen scheitern nicht am „Warum“, sondern am „Wie“.
Wie finde ich die richtige Zielgruppe für meinen Wandel?
Welche Strategie bringt mich meiner Vision näher?
Wie kann ich die Finanzierung für meine Initiative sichern, damit sie nicht im Ehrenamt steckenbleibt?
Genau hier setzt Changemaker Beratung an: Sie unterstützt dich dabei, deine Vision in die Welt zu bringen – klar, fokussiert und nachhaltig getragen.
Wie finde ich die richtige Zielgruppe für meine Initiative?
Viele Changemaker träumen von einem Wandel für die gesamte Gesellschaft. Doch wenn „alle“ deine Zielgruppe sind, erreichst du oft niemanden wirklich.
Veränderung verbreitet sich in Wellen – und deine ersten Mitstreiter sind entscheidend. Sie sind deine Early Adopters:
Menschen, die anfangen, über dein Thema zu sprechen.
Menschen, die Lust haben, mitzumachen.
Menschen, die selbst Multiplikatoren werden.
Im Programm Wurzelwerkarbeiten wir heraus, wer deine Early Adopters sind, was sie antreibt und wie du sie erreichst. Denn Klarheit über deine Zielgruppe macht den Unterschied zwischen guter Idee und echter Bewegung.
Welche Strategie bringt mich meiner Vision näher?
Vielleicht kennst du das: Du siehst an allen Ecken Handlungsbedarf. Alles hängt miteinander zusammen. Und genau deshalb fällt es so schwer, „Nein“ zu sagen.
Doch ohne klare Strategie droht Verzettelung. Deine Vision bleibt dann ein Ideal – statt Schritt für Schritt Realität zu werden.
Eine gute Strategie beantwortet die Frage: Was ist aktuell der aussichtsreichste Weg, meiner Vision näherzukommen?
Methoden wie Backcasting helfen dir dabei, von deiner Zukunft rückwärts zu denken. So entsteht ein bewusster Fahrplan, der dich und dein Team trägt.
Im Programm Wurzelwerkentwickeln wir gemeinsam eine Strategie, die dich fokussiert, inspiriert und vor allem: umsetzbar ist.
Wie kann ich die Finanzierung für meine Initiative sichern?
Viele Initiativen starten mit Begeisterung und Ehrenamt. Das ist kraftvoll – aber nicht nachhaltig. Denn langfristiger Wandel braucht Strukturen, die auch finanziell tragen.
Die Realität:
Ohne Geld droht Überlastung bei den Engagierten.
Projekte sterben, obwohl sie Wirkung hätten.
Kritik am bestehenden Geldsystem darf nicht dazu führen, dass du blind für deine eigene Finanzbasis wirst.
👉 Finanzierung für Initiativen sichern heißt: Rahmen schaffen, die Engagement auf Dauer ermöglichen. Das kann über Förderungen, Partnerschaften, Social-Business-Ansätze oder neue Finanzierungsmodelle geschehen – Hauptsache, deine Initiative bleibt lebendig.
In der Beratung schauen wir konkret:
Welche Einnahmequellen passen zu deiner Vision?
Wie kannst du deine Wirkung so kommunizieren, dass Unterstützer*innen andocken?
Welche Strukturen brauchst du, damit du dich nicht selbst ausbrennst?
Warum Changemaker von Sozialunternehmern lernen können
Vielleicht bist du kein klassisches Social Business, in dem Produkte verkauft werden. Und vielleicht bist du auch kein traditioneller Verein. Doch: Praktiken aus dem Social-Business-Bereich helfen dir enorm – gerade in den Bereichen Zielgruppenansprache, Strategie und Finanzierung.
Du musst das Rad nicht neu erfinden. Du darfst lernen, adaptieren und anpassen – damit deine Energie dort wirkt, wo sie hingehört: in den Wandel.
Mein Angebot: Changemaker Beratung mit Wurzelwerk
Wenn du nicht nur träumen, sondern deine Vision auch wirksam und finanziell nachhaltig umsetzen möchtest, begleite ich dich gerne.
Einleitung: Warum wir die Wirtschaft überdenken müssen
Das 21. Jahrhundert stellt die Grundlagen der Mainstream-Ökonomie in Frage. Der Zusammenbruch des Klimas, die zunehmende Ungleichheit und der ökologische Overshoot erfordern einen neuen Ansatz. Doughnut Economics, entwickelt von Kate Raworth, schlägt einen Wechsel vor: von einer wachstumsorientierten Wirtschaft zu einer Wirtschaft, die die menschlichen Bedürfnisse innerhalb der planetaren Grenzen erfüllt.
Was ist Doughnut Economics?
Doughnut Economics stellt sich einen sicheren und gerechten Raum für die Menschheit vor: ein „doughnutförmiges“ Gebiet, in dem die Grundbedürfnisse der Menschen befriedigt werden, ohne ökologische Schwellenwerte zu überschreiten.
Der innere Ring steht für das soziale Fundament – die Mindeststandards für ein menschenwürdiges Leben. Der äußere Ring markiert die planetaren Grenzen – die ökologische Obergrenze, die wir nicht überschreiten dürfen.
Zwischen diesen beiden Ringen liegt der Doughnut: der Raum, innerhalb dessen die Menschheit gedeihen kann.
Die planetaren Grenzen
Ursprünglich von Rockström et al. konzipiert und später vom Stockholm Resilience Centre (2023) aktualisiert, bewertet das Rahmenwerk der planetaren Grenzen nun neun Erdsystemprozesse. Nach dem neuesten Stand der Forschung sind sechs dieser neun Grenzen bereits überschritten.
CC-BY-NC-ND Credit: Azote für Stockholm Resilience Centre, basierend auf der Analyse in Richardson et al 2023
🌍 Die Neun Grenzen:
Klimawandel – Atmosphärisches CO₂ und Oberflächentemperatur bleiben weit über sicheren Werten
Integrität der Biosphäre – Beschleunigtes Artensterben und Verschlechterung der Ökosysteme
Diese Grenzen sind miteinander verbunden und ihre Überschreitung erhöht das Risiko, dass Kipppunkte in den Systemen der Erde ausgelöst werden.
Veranstalte einen Workshop zu den planetaren Grenzen
Ich biete interaktive Workshops mit dem Planetary Boundary Fresk an – eine wissenschaftlich fundierte und kreative Methode, um die ökologischen Grenzen der Erde und ihre Bedeutung für uns zu erkunden. 📩 Du möchtest einen Workshop für dein Team, deine Uni oder dein Netzwerk organisieren?
Doughnut-Denken in das Sport-, Kultur- und Eventmanagement integrieren
Im Rahmen meiner Lehrtätigkeit an der Universität habe ich eine individuelle Anpassung des Doughnut Economics-Modells für die Bereiche Sport, Kultur und Eventmanagement entwickelt. Der angepasste Doughnut verbindet gemeinsame sektorale Aktivitäten (z.B. Medien & Kommunikation, Essen & Catering, Transport, Abfallmanagement) mit sozialen Ergebnissen und ökologischen Zwängen.
📄 👉 Lade dir jetzt das interaktive Arbeitsblatt herunter, um herauszufinden, wie deine Veranstaltung oder Initiative mit den Doughnut-Prinzipien übereinstimmt.
Dieses Anschauungsmaterial hilft Studenten und Praktikern, die Auswirkungen ihrer Arbeit in einem regenerativen und distributiven wirtschaftlichen Kontext zu überdenken.
Warum Doughnut Economics heute aktuell ist
Doughnut Economics löst sich von dem überholten Paradigma des BIP-Wachstums als Indikator für Fortschritt. Es stellt tiefer gehende Fragen:
Wie viel ist genug?
Wessen Bedürfnisse werden erfüllt?
Zu welchen ökologischen Kosten?
Es bietet eine integrierte Sichtweise von Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Systemdenken, die für Politik, Bildung und lokales Handeln zugänglich ist.
Stärken, Schwächen, Chancen und Bedrohungen von Doughnut Economics
Doughnut Economics stellt eine kühne und zugängliche Alternative zum Mainstream-Wirtschaftsdenken dar. Wie jedes Konzept hat auch dieses seine Stärken, Grenzen und Herausforderungen bei der Umsetzung. Gemeinsam mit einer meiner Studentinnen, Elena Dax, haben wir die folgende SWOT-Analyse entwickelt, um das Konzept und sein praktisches Potenzial kritisch zu bewerten:
✅ Stärken
Ausgewogenes Systemdesign – Berücksichtigt sowohl die Bedürfnisse der Menschen als auch die ökologischen Grenzen des Planeten.
Ganzheitliche Perspektive – Betont die gemeinsame Beziehung zwischen Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft (die drei E’s der Nachhaltigkeit: ökologisch, ökonomisch, ethisch).
Zugängliche Visualisierung – Das kreisförmige Doughnut-Modell ist einfach und ansprechend und macht es auch Nicht-Experten leichter, komplexes Systemdenken zu verstehen.
Bildend & integrativ – Ermutigt eine breitere Beteiligung am wirtschaftlichen Diskurs, insbesondere von jüngeren Generationen und solchen, die mit der traditionellen Wirtschaftstheorie nicht vertraut sind.
❌ Schwächen
Mögliche Übervereinfachung – Das visuelle Modell kann als zu einfach angesehen werden, um die wirtschaftlichen Komplexitäten zu erfassen.
Mangel an praktischen Instrumenten – Bietet keinen konkreten politischen Fahrplan oder priorisierte Aktionsschritte für die Umsetzung.
Westliche Perspektive – Kritiker (z.B. Gudynas, 2012) argumentieren, dass das Modell vorwiegend westliches Denken widerspiegelt, was seine Anwendbarkeit in verschiedenen globalen Kontexten einschränken könnte.
Begrenzte individuelle Anleitung – Es gibt nur wenige Hinweise darauf, wie Einzelpersonen oder kleine Gruppen aktiv werden können.
🌱 Möglichkeiten
Globale Anpassungsfähigkeit – Das Modell kann an verschiedene Kulturen, Städte, Regierungen und Gemeinden angepasst werden.
Mehrstufige Anwendung – Geeignet für den Einsatz in Wirtschaft, Stadtentwicklung, Bildung und Politik.
Ermutigt zu Innovationen – Inspiriert neue Denkweisen über Wirtschaft, insbesondere bei Studenten und Changemakern.
Offener Rahmen – Seine Flexibilität ermöglicht es, im Laufe der Zeit neue Daten, Rückmeldungen und sich entwickelnde Prioritäten zu berücksichtigen.
⚠️ Bedrohungen
Mangel an klaren Veränderungsprozessen – Die Schritte zum Übergang von der Theorie zur Praxis sind vage, was die Umsetzung behindern kann.
Widerstand gegen Veränderungen – Viele Menschen und Institutionen sind nicht bereit, ihre derzeitigen Privilegien aufzugeben oder ihre Prioritäten zu ändern.
Risiko der Ablehnung – Politiker und Ökonomen könnten es als zu simpel oder radikal ablehnen, was eine breitere Akzeptanz bremst.
Soziale Spannungen – Die vom Modell vorgeschlagenen Systemänderungen können zu Spannungen zwischen verschiedenen sozioökonomischen Gruppen führen.
Machen Sie es umsetzbar: Von der Theorie zur Praxis
Viele Städte (z.B. Amsterdam, Brüssel) und Organisationen experimentieren bereits mit dem Doughnut-Modell für die Entscheidungsfindung in der Praxis. Es wird angewendet auf:
Stadtplanung
Unternehmerische Nachhaltigkeit
Pädagogische Lehrpläne
Initiativen der Zivilgesellschaft
Das Modell bleibt ergebnisoffen – und das ist eine Stärke. Es lädt zur Zusammenarbeit, zur Mitgestaltung und zur kontextuellen Anpassung ein.
Informieren Sie sich über lokale Organisationen und Netzwerke, die Doughnut Economics in ihren Städten umsetzen.
Schlussfolgerung: Wirtschaft für das 21. Jahrhundert
Doughnut Economics gibt uns die Sprache und die Linse, um zu fragen: Wie sieht eine florierende Wirtschaft aus, wenn wir ökologische Grenzen und soziale Gerechtigkeit respektieren? Es verspricht keine einfachen Antworten – aber es bietet den Raum, bessere Fragen zu stellen.
Referenzen
Gudynas, E. (2012). Ist die Doughnut-Ökonomie zu westlich? Kritik von einem lateinamerikanischen Umweltschützer. Views & Voices, Analysen und Debatten zu internationalen Entwicklungsfragen. Blog, Oxfam. https://views-voices.oxfam.org.uk/2012/02/is-doughnut-economics-too-western
Raworth, K. (2017). Doughnut Economics. Sieben Wege, wie ein Ökonom des 21. Jahrhunderts zu denken. London: Penguin Random House.
Raworth, K. (2018). Kate Raworth. Erkundung der Doughnut-Ökonomie. Persönliche Website. https://www.kateraworth.com/doughnut/
Sen, A. (1999). Entwicklung als Freiheit. New York: Alfred A. Knopf.
Steffen, W., Richardson, K., Rockström, J., Cornell, S.E., Fetzer, I., Bennett, E.M., Biggs, R., Carpenter, S.R., de Vries, W., de Wit, C.A., Folke, C., Gerten, D., Heinke, J., Mace, G.M., Persson, L.M., Ramanathan, V., Reyers, B. und Sörlin S. (2015). Planetarische Grenzen: Steuerung der menschlichen Entwicklung auf einem sich verändernden Planeten. In: Wissenschaft 347(6223), 1259855. https://openresearch-repository.anu.edu.au/bitstream/1885/13126/3/1259855.full.pdf
Vereinte Nationen – UN (2015). Unsere Welt verändern: die 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung. Von der Generalversammlung am 25. September 2015 angenommene Resolution. Dokument A/RES/70/1. New York.
Veranstalten Sie eine Planetarische Grenzen Fresk
Ich biete fesselnde Workshops an, in denen ich die Planetary Boundaries Fresk verwende, ein wissenschaftlich fundiertes Instrument zur Erforschung der Grenzen des Erdsystems und ihrer Bedeutung für unsere Arbeit und unser Leben. 📩 Bist du daran interessiert, einen Workshop für deine Universität, dein Team oder deine Gemeinde zu veranstalten?
Der Hofladen, der alles richtig macht – und trotzdem vor dem Aus steht
Ein kleiner Hofladen mit regionalem Bio-Gemüse, nachhaltiger Tierhaltung und persönlicher Atmosphäre – ein Herzensprojekt mit Mehrwert für Mensch, Tier und Umwelt. Und doch: Nach fast 10 Jahren steht er kurz vor der Schließung. Nicht wegen mangelnder Qualität. Sondern, weil sie zu wenig Kunden zu Nachhaltigkeit motivieren konnten.
Das Problem: Obwohl laut Umfragen viele Menschen nachhaltige Produkte bevorzugen möchten, bleibt der Alltag oft vom Gegenteil geprägt.
Warum nachhaltiges Verhalten so schwer umzusetzen ist
Wie kann man Konsument:innen zu mehr Nachhaltigkeit motivieren? Die Umweltpsychologie kennt dafür eine klare Antwort: Gutes Wollen reicht nicht aus – denn zwischen Einstellung und Verhalten liegen oft psychologische Barrieren.
Begrenztes Wissen: Viele wissen nicht, was wirklich hilft.
Verzerrte Wahrnehmung: Klimarisiken wirken fern, abstrakt oder unsicher.
Gewohnheiten & Bequemlichkeit: Der Weg des geringsten Widerstands gewinnt.
Soziale Normen: „Wenn alle anderen so leben – warum sollte ich es anders machen?“
Diese Barrieren verhindern nachhaltiges Verhalten – selbst bei Menschen mit besten Absichten.
Doch es gibt Wege, mit diesen inneren Widerständen umzugehen. Sozialunternehmen, Verhaltensforscher:innen und Changemaker setzen dabei zunehmend auf zwei psychologische Strategien: 👉 Nudging und Boosting. Beide verfolgen unterschiedliche Ansätze – und ergänzen sich auf sinnvolle Weise.
Nudging vs. Boosting – zwei psychologische Strategien für mehr Nachhaltigkeit
Was ist Nudging?
Nudging ist eine Methode, bei der Menschen durch kleine Anstupser („nudges“) in eine gewünschte Richtung gelenkt werden – etwa durch Standardoptionen, emotionale Bilder oder Belohnungssysteme (z. B. Nachhaltigkeitspunkte für jede gesparte Windel). Nudging ist populär, funktioniert kurzfristig – verändert aber selten tiefes Verhalten.
Was ist Boosting?
Boosting verfolgt einen anderen Ansatz: Statt Menschen zu lenken, stärkt es ihre Fähigkeiten und Motivation, nachhaltige Entscheidungen selbstständig und dauerhaft zu treffen.
Boosting bedeutet:
Selbstwirksamkeit aufbauen,
Wissen vermitteln,
Entscheidungsräume gestalten, die Autonomie fördern.
Boosting-Best Practice: Mata Origin – Nachhaltigkeit durch tiefes Verständnis
Das Social Business Mata Origin zeigt, wie es anders geht. Es verkauft Abhalte-Kleidung für windelfreie Babys, geht aber weit über das Produkt hinaus: Mata Origin ermutigt Eltern, auf die Signale ihrer Kinder zu hören, fördert Achtsamkeit, stärkt die Eltern-Kind-Beziehung – und spart dabei Windeln und Müll.
Hier entsteht nachhaltiges Verhalten nicht durch Belohnung, sondern durch tiefere Einsicht. Mit Boosting kann man Kunden zu Nachhaltigkeit motivieren: Selbstbestimmt, sinnvoll und langfristig wirksam.
5 Wege, wie Sozialunternehmen Kunden zu nachhaltigem Verhalten motivieren können
Wenn wir über nachhaltige Verhaltensänderung sprechen, geht es nicht um ein entweder Nudging oder Boosting, sondern um ein bewusstes Zusammenspiel beider Ansätze. Aus der Systemwissenschaft wissen wir: Symptomatische Interventionen (wie Nudging) helfen, kurzfristige Engpässe zu überbrücken, während strukturelle und kapazitätsfördernde Lösungen (wie Boosting) auf langfristige Systemveränderung zielen.
Es
Nudging kann Kunden zu Nachhaltigkeit motivieren – kurzfristig; Boosting befähigt Menschen, diese Richtung eigenständig beizubehalten – auch ohne äußere Anreize. Deshalb gilt: Nudging und Boosting – bis Boosting alleine trägt.
Hier sind fünf konkrete Wege, wie sozialunternehmerische Organisationen dieses Zusammenspiel wirksam nutzen können:
1. Psychologische Barrieren erkennen und verstehen
Nutze Giffords „Dragons of Inaction“, um die unbewussten Hürden deiner Zielgruppe für euer Team sichtbar zu machen. Nur wer die inneren Blockaden kennt, kann Angebote gestalten, die echte Veränderungen ermöglichen.
2. Empowerment statt Manipulation
Verzichte auf rein extrinsische Anreize. Baue stattdessen Wissen, Entscheidungsfähigkeit und Selbstwirksamkeit auf – durch transparente Kommunikation, Lernangebote und Räume für Reflexion. Boosting beginnt mit Vertrauen in die Fähigkeit der Menschen, selbst sinnvolle Entscheidungen zu treffen.
3. Setze auf echte Teilhabe statt bloßen Konsum
Nachhaltiges Verhalten wächst dort, wo Menschen sich einbringen können. Entwickle Formate, bei denen Kund:innen zu Mitgestalter:innen werden – etwa durch Co-Creation, Feedback-Schleifen oder gemeinschaftsorientierte Projekte.
4. Aktiviere soziale Netzwerke und Vorbilder
Verhalten ist ansteckend. Menschen orientieren sich stark an ihrem Umfeld. Nutze das Potenzial von Communitys, Multiplikator:innen und Peer-Learning, um nachhaltige Praktiken im sozialen Nahraum zu verankern.
5. Kombiniere Information mit Identität
Fakten alleine reichen nicht. Verknüpfe deine Botschaften mit Werten, Sinn und Zugehörigkeit. Wenn nachhaltige Entscheidungen Teil des Selbstbildes werden, entsteht Motivation, die bleibt – ganz ohne äußeren Druck.
Diese fünf Hebel entfalten besonders dann Wirkung, wenn sie gezielt aufeinander abgestimmt werden – als Teil eines strategischen Zusammenspiels von Nudging und Boosting. Kurzfristige Verhaltensimpulse sind hilfreich, um erste Schritte anzustoßen. Doch echte Transformation gelingt nur, wenn Menschen die Kompetenz und das Vertrauen gewinnen, ihr Verhalten aus eigenem Antrieb zu verändern.
Fazit: Nachhaltigkeit braucht mehr als Produkte – sie braucht Psychologie
Wenn du als Sozialunternehmer:in oder Organisation nachhaltig wirken willst, genügt es nicht, gute Produkte anzubieten. Die zentrale Frage lautet:
👉 Wie kannst du Menschen helfen, ihre eigenen Barrieren zu überwinden – und so nachhaltiges Verhalten wirklich leben?
Die Antwort liegt nicht in Manipulation, sondern in Befähigung. Nicht in Nudging, sondern im Boosting
Entdecke unseren Ansatz der Social Business Typen im kostenlosen:
Webinar: Social Business Strategien
Im kostenlosen Webinar am 29.5.2025 um 10:00 Uhr zeige ich dir 7 grundlegenden Wege, wie Social Businesses Wirkung entfalten – und wie du sie gezielt für dein Projekt nutzen kannst und damit eine neue regenerative Organisation auf den Weg bringst.
Warum nachhaltige Produktentwicklung nicht mehr ausreicht?
In einer Welt, die zunehmend von Umweltproblemen und Ressourcenknappheit geprägt ist, steht eine nachhaltige Produktentwicklung vor neuen Herausforderungen. Olivia Lazard hat in ihrem TED-Talk sehr schön dargelegt, warum wahre Innovation nur eine sein kann, die neben den Bedürfnissen des Markts auch nachhaltig oder gar regenerativ ist.
Die Berücksichtigung der planetaren Grenzen, zu denen mitunter die „Novel Entities“ gehören, spielt dabei eine zentrale Rolle. Im Hinblick auf die Novel Entities sind Unternehmen dazu angehalten, die Inhaltsstoffe ihrer Produkte kritisch hinterfragen und innovative, umweltfreundliche Alternativen entwickeln. Ein Beispiel für eine erfolgreiche Umsetzung ist die Sonnencreme Reef Relief, die nicht nur die Umwelt schützt, sondern auch den Weg für eine neue Ära in der Produktentwicklung ebnet.
Regenerative Produktentwicklung: Der nächste Schritt
Regenerative Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht nur darauf abzielen, ihre negativen Umweltauswirkungen zu minimieren. Solche Organisationen tragen aktiv zur Wiederherstellung und Verbesserung natürlicher Systeme und gesellschaftlicher Strukturen bei. Die Produktentwicklung in solchen Unternehmen geht über die bloße Einhaltung von Umweltstandards hinaus. Sie strebt danach, Produkte zu schaffen, die regenerativ wirken. Also Produkte, die Umwelt nicht belasten, sondern sie im Idealfall verbessern.
Die Inhaltsstoffe spielen dabei eine entscheidende Rolle. Regenerative Unternehmen setzen auf natürliche, biologisch abbaubare oder wiederverwendbare Materialien, die im Einklang mit den planetaren Grenzen stehen. Wenn nicht erneuerbare Materialien verwendet werden, stellt ein kreislauffähiges Design sicher, dass diese am Produktlebensende zu 100 % in neuer Produkte verwandelt werden können. Regenerative Unternehmen legen zudem großen Wert darauf, dass keine Novel Entities in die Umwelt gelangen, die langfristig Schäden verursachen könnten.
Die Idee der planetaren Grenzen wurde von einem internationalen Team von Wissenschaftlern entwickelt, um die ökologischen Belastungsgrenzen unseres Planeten zu definieren. Diese Grenzen markieren die sicheren Betriebsräume für menschliche Aktivitäten, innerhalb derer das Risiko schwerwiegender Umweltschäden minimiert wird. Werden diese Grenzen überschritten, drohen irreversible Veränderungen und Schäden an den natürlichen Systemen der Erde.
Eine dieser Grenzen bezieht sich auf die Einführung von sogenannten „Novel Entities“ in die Umwelt. Dieser Begriff umfasst künstliche chemische Substanzen, Materialien oder Organismen, die in der Natur nicht vorkommen. Substanzen, die potenziell schädliche Auswirkungen auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit haben können. Dazu gehören beispielsweise Mikroplastik, synthetische Chemikalien, Antibiotika und bestimmte Arten von Nanomaterialien.
Für Unternehmen, die Produkte entwickeln, bedeutet dies, dass die Inhaltsstoffe ihrer Produkte sorgfältig geprüft werden müssen, um sicherzustellen, dass sie keine schädlichen Novel Entities enthalten. Dies erfordert nicht nur technisches Know-how, sondern auch ein tiefes Verständnis für ökologische Zusammenhänge und eine klare Verpflichtung zur Nachhaltigkeit.
Willst du Nachhaltigkeit im Team verankern?
Unser Training vermittelt systemisches Denken, emotionale Verbindung und gemeinsame Ausrichtung – für echten Wandel in deinem Unternehmen.
Ein herausragendes Beispiel für ein regeneratives Produkt ist die Sonnencreme Reef Relief. Diese Sonnencreme wurde speziell entwickelt, um sowohl die Haut vor schädlichen UV-Strahlen zu schützen als auch die Meeresumwelt zu schonen. Herkömmliche Sonnencremes enthalten oft chemische UV-Filter wie Oxybenzon und Octinoxat. Diese Stoffe schädigen nachweislich Korallenriffe und bedrohen damit eines der empfindlichsten Ökosysteme der Erde bedrohen.
Reef Relief hingegen setzt auf natürliche Inhaltsstoffe wie Zinkoxid und Titandioxid in nicht-nanoform, die sicher für die Umwelt sind. Diese mineralischen UV-Filter bieten einen effektiven Schutz vor Sonnenstrahlen, ohne das Meer zu belasten. Darüber hinaus ist die Verpackung aus recycelbaren Materialien gefertigt und das Produkt selbst ist biologisch abbaubar.
Dieses Beispiel zeigt, wie regenerative Produktentwicklung in der Praxis aussehen kann. Reef Relief berücksichtigt nicht nur die Auswirkungen auf den Endverbraucher, sondern auch die auf das gesamte Ökosystem. Das Unternehmen hinter der Sonnencreme hat die planetaren Grenzen und die Risiken von Novel Entities ernst genommen und ein regeneratives Produkt entwickelt.
Wie Unternehmen regenerative Produktentwicklung umsetzen können
Um wirklich regenerative Produkte zu entwickeln – solche, die im Einklang mit Mensch und Natur stehen – braucht es mehr als gute Absichten. Es braucht eine Unternehmensvision, die Regeneration nicht nur mitdenkt, sondern aktiv verfolgt. Ein klares Commitment der Führungsebene ist dabei essenziell: Nur wenn die Geschäftsleitung eine regenerative Zukunft glaubwürdig vorlebt, kann der Wandel im gesamten Unternehmen greifen.
Gleichzeitig braucht es Mitarbeiter:innen, die nicht nur fachlich kompetent sind, sondern auch ein tiefes Verständnis für ökologische Zusammenhänge mitbringen. Wissen über die planetaren Grenzen, die globalen Nachhaltigkeitsziele und den eigenen Wirkungsbereich bildet die fachliche Grundlage. Genauso entscheidend ist jedoch ein bewusstes Mindset – das Verständnis, dass jede Entscheidung, so klein sie auch erscheinen mag, Auswirkungen auf unsere Welt hat. Jede Abteilung, jede Rolle kann damit zu einem echten Hebel für regenerative Entwicklung werden.
Fazit: Die Zukunft der nachhaltigen Produktentwicklung
Die Herausforderungen, die durch die verschiedenen planetare Grenzen entstehen, erfordern ein Umdenken in der Produktentwicklung, das weit über CO₂-Bilanzen und Energiesparen hinausgeht. Nachhaltige Produktentwicklung in regenerativen Unternehmen bedeutet nicht nur innovative und marktfähige Produkte entwickeln, sondern auch Verantwortung für die Umwelt zu übernehmen. Regenerative Unternehmen wie die Hersteller von Reef Relief zeigen, dass es möglich ist, Produkte zu entwickeln, die nicht nur den Kunden, sondern auch dem Planeten dienen.
Die Zukunft der Produktentwicklung liegt in der Schaffung von Produkten, die im Einklang mit den natürlichen Systemen stehen. Die Kreativität und Innovationskraft der Unternehmer:innen ist also gefragt, um nachhaltige und regenerative Lösungen zu finden, die sowohl wirtschaftlichen Erfolg als auch eine positive ökologische Bilanz sichern. So wird nicht nur die Umwelt geschützt, sondern auch ein solides Fundament für eine regenerative Wirtschaft gelegt.